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Fusion im Mental Health Markt

September 3, 2021

BRAINWAVE INSIGHTS

Bildquelle: Shutterstock/ Rawpixel.com

Headspace und Ginger - Fusion im Mental Health Markt

Startups im Mental Health Bereich gehören in Deutschland bereits zu den "alten Hasen" in der Digital Health Szene. Der breite Bedarf an psychischer Betreuung in der Bevölkerung steht spätestens seit Beginn der Pandemie außer Frage. Psychologische Online Kurse oder Behandlungen per Videosprechstunde gehören mittlerweile zu den etablierten Angeboten im Gesundheitswesen. Was macht die geplante Fusion der US-amerikanischen Healthcare Startups Headspace und Ginger also so besonders?

Headspace zählt zu den weltweit führenden Apps für Achtsamkeits- und Meditations-Übungen. Ginger hingegen bietet telemedizinische Therapien und Coaching für Depressionen und Angststörungen an. Die beiden Anbieter haben jüngst verkündet zu "Headspace Health" zu fusionieren, um die größte digitale Mental Health Plattform der Welt zu werden. Das entstehende Unternehmen hat einen Unternehmenswert in Höhe von über 3 Milliarden US-Dollar und eine Reichweite von über 100 Millionen Nutzer:innen. Das macht die Plattform zu der größten Mental Health Datenquelle der Welt, welche in Zukunft für hochpersonalisierte Gesundheitsversorgung genutzt werden soll. Durch die Fusion vereinigt sich ein Anbieter aus dem Bereich Wellness und Prävention mit einem aus der Tele-Therapie.

Digital Mental Health in Deutschland

Der deutsche Markt für Digital Mental Health zeigt viele etablierte Angebote, wie wir Euch bereits in unserem Newsletter Special hierzu vorgestellt haben. In Kombination mit dem strategischen Fokus der DiGA chronische Krankheiten zu unterstützen, sind sie hier stark vertreten: 10 von 20 DiGAs im BfArM-Verzeichnis kommen aus dem Bereich Mental Health. Wir sehen auf dem deutschen Markt insgesamt wenig neue Geschäftsmodelle und Investitionsrunden, was an der Reife des Marktes und dem damit verbunden hohen Wettbewerb liegt. Im ersten Halbjahr war das Interesse der deutschen Investoren im europäischen Vergleich eher gering. Likeminded erhielt in einer Seed-Runde bspw. 3,5 Millionen Euro für ihre digitalen Gruppentherapien, während Koa Health aus Spanien 36 Millionen in einer Series A sammelte.

Schaut man sich die Angebots-Landschaft etwas genauer an, wird schnell klar, dass Angebote im Bereich Wellness und Prävention häufig stark von digitalen Behandlungen abgegrenzt sind. Meditations-Apps decken allenfalls noch die Bereiche Schlaf und Stressprävention ab. Demgegenüber haben Startups wie HelloBetter oder Selfapy abgeschlossene Therapie-Programme für dedizierte Indikationen.

Fazit

Durch Plattformen wie Headspace Health können größere Teile der Versorgungskette abgedeckt werden. Patient:innen können sehr eng digital begleitet werden und bei ernsten psychischen Problemen z.B. schnell eine passende digitale Therapie erhalten. Eine reine Meditations-App kann keine Angststörung behandeln und das muss sie auch gar nicht, denn auf einer digitalen Plattform können Nutzer:innen ohne Medienbruch und in gewohnter Umgebung zu Patient:innen werden und professionelle Hilfe bekommen. Wir hoffen in Zukunft auch auf dem deutschen Markt Mental Health Plattformen mit breitem Leistungsangebot zu sehen.

REGULARIEN

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PICK OF THE WEEK

Letzte Woche haben wir an dem Event des health innovation hubs (hih) "Gesundheit digital – Meilensteine für eine digitale Medizin" teilgenommen und fassen das Wichtigste für Euch zum Thema digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) zusammen:

Das Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist der Entscheidungsträger, wenn es darum geht, ob eine digitale Anwendung zertifiziert wird oder nicht. Prof. Dr. Karl Broich, Präsident des BfArM, sagte, dass das BfArM seit Beginn der DiGAs von einer Risikobewertungsbehörde zu einem aktiven Partner geworden ist, der dabei unterstützt neue Innovationen voranzutreiben.

Aber welche Zwischenbilanz kann man eigentlich nach 10 Monaten DiGA ziehen? Wir selbst haben hierzu bereits ein Fazit in unserem H1 Report gezogen. Wichtige Themen, die bei der Veranstaltung erwähnt wurden und noch immer final geklärt werden müssen sind z.B. die Kontraindikationen und die Vergütung von DiGAs. In Punkto Finanzierung steht eine ergebnisorientierte Vergütung im Raum, also eine Vergütung, die an das gemessene Leistungsniveau gekoppelt ist.

Aber nun mehr zu den DiGAs selbst: Von den 89 Anträgen wurden bisher 20 DiGAs dauerhaft oder vorläufig in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen. Schaut man sich die therapeutischen bzw. diagnostischen Ansätze der DiGAs an, stellt man fest, dass überwiegend kognitive Verhaltenstherapie-Ansätze verfolgt werden.
Zum Nachweis bzw. zur Evidenz der Wirksamkeit von DiGAs werden zum größten Teil (79%) randomisiert kontrollierte Studien (RCT) – der wissenschaftliche Goldstandard – durchgeführt. Die verifizierten DiGAs sind zu 100% RCT Studien. Eine unzureichende systematische Datenauswertung oder ein unzureichendes Studiendesign sind für anstrebende DiGAs auch gleichzeitig die häufigsten Gründe einer Antrags-Ablehnung von Seiten des BfArM.

Bildquelle: hih Event

Den gesamten Newsletter mit Presseschau und einem Überblick der Finanzierungsrunden im Digital Health Startup Markt findest Du hier

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