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Der Kampf der Plattformen

January 29, 2021

BRAINWAVE INSIGHTS

Der Kampf der Plattformen - Hallo "gesund.de"

„gesund.de ist die Antwort des deutschen Gesundheitsmarktes auf Amazon“
Dr. Hermann Sommer, Vorstandsvorsitzender NOVENTI Health SE

Seit Jahren reden wir im Digital Health Markt über den wachsenden Trend von Gesundheitsplattformen bzw. Plattform-Ökosystemen. In den USA sind solche sektorenübergreifenden, kundenorientierten Gesundheitsangebote schon Realität - siehe Amazon Care oder OneMedical. In Deutschland hat es jedoch bisher kein Marktteilnehmer geschafft einen Patientenpfad E2E digital abzudecken oder Leistungserbringer umfassend miteinander zu vernetzen. Die Regierung hat mit der Telematikinfrastruktur (TI), der ePA, dem eRezept und der angekündigten Interoperabilitätsstrategie einen fruchtbaren Boden gesät und der Markt reagiert! Hätte man mich vor einem Jahr gefragt wer eine solche Plattform als Leader aufbauen wird, dann hätte ich mein Geld nicht unbedingt auf die (Online) Apotheken oder den pharmazeutischen Großhandel gesetzt. Doch erst prescht die Zur Rose Gruppe mit ihrer Plattform-Vision nach vorne und diese Woche kündigten Phoenix und Noventi ihre Gesundheitsplattform "gesund.de" an. Hier ist es kein Zufall, dass die Plattform in der ersten Pressemeldung in den Google-Farben und -Layout glänzt und Amazon offiziell der Kampf angesagt wird.

Quelle: gesund.de/presse

Die beiden deutschen Konzerne wollen rechtzeitig zum Start des eRezeptes, in Q2 2021, ihre Plattform als App und Website für Patienten:innen an den Start bringen. Ihre bestehenden Apotheken-Plattformen "callmyApo" und "Deine Apotheke" werden direkt integriert. Leistungserbringer können sich aber schon heute auf der Plattform registrieren. 

Doch was heißt "Gesundheitsplattform" nun genau? Erstaunlich ist an diesem Projekt, dass hier weit über die Apotheken-Welt hinaus gedacht wird. Ziel der Plattform soll eine umfassende Vernetzung der Patienten:innen mit allen relevanten Leistungserbringern sein - neben Apotheken, also auch Ärzte, Pflegedienste, Sanitätshäuser und Krankenkassen. In anderen Worten der Patient:in soll alle Gesundheitsdaten und Services an einem Ort bündeln und diese individuell managen können. Die genauen Funktionen der Plattform sind noch nicht bekannt jedoch wurde schon angedeutet, dass Nutzer:innen Arzttermine über das Portal managen können, sowie eRezepte oder Befunde speichern und bei Bedarf mit den jeweiligen Leistungserbringern teilen können. Zukünftige Funktionen sollen ein Symptom-Tagebuch, ein digitaler Medikationsplan sowie Medikationserinnerungen sein. Also ein schickes Front-End der ePA? Wir finden es klingt eher nach einem digitalen Gesundheits-Lebensbegleiter. 

Eierlegende Wollmilchsau? Gesund.de trifft mit ihrer Vision genau die Sprache bzw. den Puls der Zeit. Die Plattform strebt eine längst überfällige Vernetzung der Leistungserbringer an aber der eigentliche Mehrwert ist die individuelle Aufbereitung der Daten und Services rund um die Bedürfnisse der Kunden:innen. In einer Art und Weise die auch ein "Digital Native" gut findet. Auch die Übersicht und das Verständnis über die eigenen Gesundheitsdaten, Stichwort Eigenverantwortung und Befähigung, wird immer wieder genannt.  

Fazit: Wir finden diese Bestrebungen äußerst interessant und der Markt hat die Neuigkeiten soweit positiv aufgenommen. Doch gleichzeitig hat gesund.de die Messlatte extrem weit oben angesetzt, in dem es Google und Amazon gleichzeitig den Kampf ansagt!? Hut ab. Auch wenn diese Ziele zugegebenermaßen etwas unrealistisch erscheinen, applaudieren wir diesem Mut und warten gespannt bis zum Launch der Plattform. Auch fragen wir uns - was treiben die Krankenversicherer eigentlich mit ihren Plattformstrategien?

REGULARIEN

gematik legt Whitepaper zur TI-Weiterentwicklung vor

Erste mögliche Eckpunkte zur geplanten Weiterentwicklung der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) legte die Gematik mit dem Whitepaper „TI 2.0 - Arena für digitale Medizin“ vor. Auf Basis des Ideenpa­piers wolle man in den Fachaustausch zum „Technologiesprung“ gehen. Mit der TI 2.0 will die Gematik komplexe, aber klare Grundbedingungen – wie Nutzerzentriertheit, Inte­roperabilität und einen stabilen sicheren Betrieb – in den Mittelpunkt der Konzeption stellen. Die Umstellung auf die TI 2.0 soll schrittweise und parallel mit dem Regelbetrieb bis zum Jahr 2025 erfolgen. Mehr 

BAH zum DVPMG: Gesundheitsportal darf Therapiefreiheit nicht einschränken

Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller begrüßt das Ziel des BMG, die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben, äußert aber Bedenken zum Nationalen Gesundheitsportal. Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) mahnte in einer Stellungnahme an, dass das im aktuellen Entwurf verankerte Nationale Gesundheitsportal nicht die Therapiefreiheit einschränken darf. Der BAH kritisiert außerdem das privilegierte Ranking des Gesundheitsportals bei Google-Suchanfragen. Das Bundesgesundheitsministerium ist mit dem Konzern eine entsprechende Kooperation eingegangen. Mehr

PICK OF THE WEEK

Podcast - Wie kann man Gesundheit skalieren?

Andre Heeg, Managing Director und Partner bei BCG Digital Ventures, war zu Gast bei Karsten Glied. In dieser Folge von „Patient Deutschland“ unterhalten sich die beiden über das Innovators Dilemma, den Kulturwandel in der Branche und die Entwicklung des Standorts Deutschland beim Thema Digital Health. Da Digitalisierung im Gesundheitsbereich nicht erst seit Kurzem in aller Munde ist, sagt Andre Heeg, dass sich alle Unternehmen, die direkt oder indirekt mit der Branche verbunden sind, mit dem Thema auseinandersetzen müssen – ganz gleich ob Pharmakonzerne oder Krankenkassen, Krankenhäuser, der Public Sector oder auch NGOs.

Hier geht es zum Podcast. Happy Listening!

Quelle: Techniklotsen
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