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Zur Frage: Was bleibt nach Corona?

May 27, 2020

BRAINWAVE INSIGHTS

Zur Frage: Was bleibt nach Corona?

Nach dem "digitalen Boom" durch die Pandemie kommt jetzt ein Ringen um Nachhaltigkeit. Auch diese Woche dreht sich die öffentliche Diskussion mehrheitlich um das Thema "Telemedizin" und ob digitale Gesundheitsservices einen nachhaltigen Schub bekommen haben.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte zum Anfang der Pandemie schnell reagiert und die Begrenzungen der Videosprechstunde gelockert. Nun wird es ausschlaggebend für den Erfolg der Videosprechstunde sein, ob diese Lockerung langfristig Bestand hält. Die KBV schaut auf die Entwicklungen jedoch mit Vorsicht und glaubt, dass viele der kleinen Anbieter (die ihre Services während der Pandemie oft kostenlos anbieten) wieder vom Markt verschwinden werden, sobald die Services kostenpflichtig werden. Doch gleichzeitig meldete die KBV aktuell 25.000 Praxen, die eine Videosprechstunde anbieten - rd. ein Viertel aller Praxen. Allein im März sind 19.500 Praxen hinzugekommen.


Die Startup-Szene blickt rosig in diese Zukunft: Fragt man Gründer von Start-ups wie Zava oder TeleClinic, ist der Weg für die Telemedizin nun endgültig geebnet. Die Nutzerzahlen schossen in den letzten Monaten in die Höhe (> 60%) und das neu entstandene Bewusstsein für den digitalen Arztbesuch soll sich festigen. So sagt der Zava Gründer, dass der Deutsche zehn Mal im Jahr zum Arzt geht und durch die Corona-Pandemie nun acht dieser Besuche digital absolviert werden. Zudem erwartet er, dass sich die Anzahl der digitalen Arztbesuche auf vier bis fünf Mal im Jahr nach der Pandemie einpendeln werden. 


Aus unserer Sicht ist noch unklar, wie schnell sich der digitale Arztbesuch in der Masse festigen wird. Dass er sich früher oder später für bestimmte Anwendungsfälle durchsetzen wird ist für uns glasklar! Doch verschiedene Einflussfaktoren und Marktteilnehmer mischen in dieser Erfolgsgeschichte mit:

  1. Die Regulatoren müssen angemessene Rahmenbedingungen für digitale Services schaffen. Möglichst pragmatisch und unbürokratisch - wie sie es in der Corona-Krise bewiesen haben. Wenn z.B. der KBV nicht unterstützt, dann sieht es schlecht für die digitale Sprechstunde aus.
  2. Die ambulanten Ärzte müssen sich mit der Technologie auseinandersetzen, in schnelles Internet investieren und den Service ihren Patienten proaktiv anbieten und diesen erklären.
  3. Der Patient muss zum einen auf den Services aufmerksam werden und dann muss die Kundenerfahrung maximal intuitiv (einfach) gestaltet sein, sonst wird besonders die ältere Generation schnell abgehängt.
  4. Die Innovatoren, wie Start-ups oder Technologieunternehmen müssen den Start-Schwung nutzen und ihre Kundengruppen (Patient & Arzt) in der Umsetzung bestmöglichst unterstützen

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bleibt auch trotz Corona ein komplexes und manchmal aussichtslos erscheinendes Unterfangen. Doch die Zeit ist reif und trotz Generationen-Mix werden sich digitale Lösungen durchsetzen - die Frage ist nur wie schnell!  

REGULARIEN

Elektronische Gesundheitskarte erhält weitere Funktionen

Sofern die Konnektoren für die Telematikinfrastruktur rechtzeitig zur Verfügung stehen, können Patienten ab Juli auf eigenen Wunsch hin, ihre Notfalldaten und ihren Medikationsplan auf der elektronischen Gesundheitskarte speichern lassen. Damit erhält die elektronische Gesundheitskarte weitere Funktionen für Versicherte. Die Gematik spricht bislang noch von einem erfolgreichen Feldtest. Mehr


eRezept-App der Gematik soll auch Warenbestände der Apotheken anzeigen

Mit dem Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) soll es ab 2022 zur Pflicht werden, ärztliche Verordnungen grundsätzlich elektronisch auszustellen. Hierfür soll die Gematik beauftragt werden, eine eRezept-App zu entwickeln, mit der die Versicherten ihre Rezepte an Apotheken weiterleiten können. Eine erste Spezifikation der Gematik zeigt nun, dass auch geplant ist, vor dem Absenden eines Rezepts an eine Apotheke deren Warenbestände einsehen zu können. Mehr


Bundesärztekammer (BÄK) schlägt "Patientenpass" für ePA vor

Bei der öffentlichen Anhörung des Gesetzesentwurfs für ein PDSG am Montag den 25.05. äußerte BÄK-Vorstandsmitglied Erik Bodendieck die Forderung eines "Patientenpasses" mit medizinischen Basisinformationen für die ePA. Außerdem forderte Bodendieck die ersatzlose Streichung der Möglichkeit Ärzte für eine verspätete Nutzung der ePA zu sanktionieren, da ein Vertragsarzt dies nicht beeinflussen könne. Mehr


Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) öffnet Antragsportal für "App auf Rezept"

Wir kommen der "App auf Rezept" immer näher: Start-ups, welche sich als Gesundheitsanwendung durch das BfArM prüfen lassen wollen, können dies nun ausschließlich über das Antragsportal online machen. Mehr

PICK OF THE WEEK

Ja, wir sind auch traurig, dass wir dieses Jahr an vielen Konferenzen nicht teilnehmen können. Naja, zum Glück nicht ganz alle! Holt die Kalender raus. Wir zeigen Euch unsere Top 3 digitalen Konferenzen in 2020:

1. HIMSS - Digital Health
Die weltweit größte Healthcare IT Konferenz findet dieses Jahr online als "HIMSS & Health 2.0 - European Digital Event" vom 7.-11. September 2020 statt. Hier gibt es weitere Infos zur Veranstaltung.

2. DMEA - Digital Health & Krankenhaus
Auch die DMEA hat die diesjährige Konferenz ins Web verlegt und veranstaltet als "DMEA sparks" vom 16.-18. Juni 2020 eine Reihe spannender Keynotes und Panels. Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung.

3. Tech Open Air (TOA) - Technologie & Startups
Europas führendes Technologiefestival TOA öffnet in diesem Jahr ausschließlich online seine Pforten und bringt vom 23.-26. Juni 2020 Akteure des technologischen Wandels und Vertreter verschiedenster Disziplinen zusammen. Hier geht es zu den Tickets.

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