← Zurück zur übersicht

Kritik, Druck, Fristverschiebung?

August 26, 2020

BRAINWAVE INSIGHTS

Kritik, Druck, Fristverschiebung?

Die erste Hälfte des Jahres ist rum und wir steuern gefühlt rasant auf das Jahr 2021 zu. Ein Jahr voller Fristen und der offizielle Startschuss für die aktive Nutzung der Telematikinfrastruktur (TI) und die elektronische Patientenakte (ePA). Die Zeit, welche die Leistungserbringer und Kassen haben, um die technischen Anforderungen für die ePA und das eRezept zu erfüllen wird immer knapper. Vielleicht ist das der Grund für die kritische und negative Stimmung in den aktuellen Digital Health News!? Wir befürchten mit dem Brandbrief der Kassenärzte, an Jens Spahn vor ein paar Wochen, wurde eine Phase der Kritik und des Widerstands eingeläutet. 

Steht sich Deutschland (wieder) selbst im Weg?

Die Apotheken müssen sich sogar schon bis Ende September 2020 an die TI anschließen. Diese Frist wird seit längerem von den Apothekern angezweifelt und nun wurde diese über die FDP beim Gesundheitsministerium (BMG) offiziell hinterfragt. Doch das BMG wies jeden Zweifel zurück und hält an der Anschlussfrist fest (Mehr).  

Die Ärztegenossenschaft fordert einen Aufschub für die Fristen zu den TI-Anwendungen bis aktuelle Probleme und die Übernahme der TI-Kosten geklärt sind. An der Stelle sollten wir aber auch erwähnen, dass die befragten Ärzte der Digitalisierung grundlegend positiv gegenüber stehen - aber bitte ohne Zeitdruck durch den Gesetzgeber (Mehr)

Zuletzt spricht sich der Datenschutzbeauftragte Prof. Ulrich Kelber gegen die Verabschiedung des PDSG's durch den Bundesrat aus, bis vorliegende Missstände zur ePA geklärt sind. Damit meint er, dass die erste Version der ePA gewisse Funktionen rund um das Zugriffsmanagement noch nicht abbilden kann. Er bekommt Rückenwind von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Psychotherapeuten (Mehr).

Zu guter Letzt, äußerten die Ärzte und Apotheker diese Woche auch harsche Kritik am TeleClinic-Zur Rose-Deal (Mehr).

Wir fragen uns: Wie viel Kritik und Widerstand ist konstruktiv? Ja - es läuft nicht alles reibungslos und wir können es nicht genug sagen aber Wandel und Innovation schmerzen auch. Doch die Ablehnung der Veränderung wird sie nicht stoppen, sondern die "Verneiner" nur abhängen. 

Agiles Vorgehen - Was?

Wir würden uns wünschen, dass die Marktakteure eher die Chancen als die Hürden sehen und eher an ein MVP (Minimum Viable Product) glauben. Eine Denkweise, welche Gründer an Tag legen, wenn sie mit einem neuen Produkt am Markt starten. Ein solches Produkt ist oft nicht perfekt und enthält meist nur die minimalen Anforderungen nötig für den Start. Das ist eine agile Herangehensweise, die voraussetzt, dass sich das Produkt mit dem Feedback der Kunden bzw. Nutzer stetig weiterentwickeln und verbessern wird. Denn wenn wir wieder versuchen erst 100% ready zu sein für den Start, werden wir erneut 10-15 Jahre für die Umsetzung der Digitalisierung brauchen...

REGULARIEN

Ulrich Kelber kritisiert Regeln zur ePA im PDSG

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber kritisierte Teile des Patientendaten-Schutz-Gesetzes (PDSG), die die elektronische Patientenakte (ePA) regeln. Die Kritik stößt auf einige Befürworter, wie etwa die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung oder die Kassenärztliche Vereinigung Bayern, die für Nachbesserungen bei der ePA plädieren. (Mehr)

Das BMG sieht keine Fristverlängerung für die TI-Anbindung der Apotheken vor

Bis Ende September 2020 müssen alle Apotheken an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen sein. So wurde es letztes Jahr vom Bundestag mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) beschlossen. Im Apothekermarkt wird an der rechtzeitigen Umsetzung dieser Frist gezweifelt. Auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion hin, stellt das Bundesgesundheitsministerium (BMG) klar, dass es bei der Frist bleiben soll. (Mehr)

Die KBV möchte als zweiter Anbieter für KIM nachziehen

Die TI steht mittlerweile so weit, dass der Fokus mehr auf die konkreten Anwendungen fällt. Dazu gehört beispielsweise die Kommunikation im Medizinwesen (KIM), mit der Praxen zukünftig medizinische Dokumente, wie z. B. einen Arztbrief, sicher elektronisch übermitteln können. Nach der CompuGroup will die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) nun der zweite zugelassene KIM-Anbieter werden. (Mehr)

Ärztegenossenschaft fordert Moratorium für TI-Anbindung

Nach der hitzigen Debatte um die Einhaltung der Fristen für TI-Nutzung der Ärzte, fordert die Ärztegenossenschaft nun einen gesetzlich angeordneten Aufschub bis zur Lösung aktueller Probleme und die Übernahme der TI-Kosten durch die Krankenkassen. Mehr

PICK OF THE WEEK

Konzeptpapier "Interoperabiilität 20205"

Der health innovation hub (hih), die gematik, der Bundesverband Gesundheits-IT bvitg e. V. und Bitkom haben ein Konzeptpapier zur Interoperabilität im Gesundheitswesen veröffentlicht und dem Bundesministerium für Gesundheit vorgelegt. 
 

Hier die zentralen Handlungsempfehlungen:
Aufbau eines E-Health-Komitees, welches auf Basis der Vorgaben der Politik eine nationale Interoperabilitätsstrategie umsetzt und fortschreibt.
Einsetzen einer Koordinierungsinstanz für alle Institutionen, die mit der Schaffung von Interoperabilität gesetzlich beauftragt wurden. Diese Rolle sollte die gematik übernehmen.
Aufbau eines ExpertenInnen-Pools, der Koordinierungsinstanz und E-Health-Komitee mit ergänzender Fachexpertise unterstützt.
Festlegung einheitlicher technischer und organisatorischer Werkzeuge durch Koordinierungsinstanz und E-Health-Komitee, um die Zusammenarbeit zu verbessern und Transparenz bei den Entscheidungen sicherzustellen.

Hier findet Ihr das Konzeptpapier

Den gesamten Newsletter mit Pressschau und einem Überblick der Finanzierungsrunden im Digital Health Startup Markt findest Du hier.
Zurück zur übersicht
Copyright © All right reserved by Brainwave Hub GmbH