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KHZG Update

September 23, 2021

BRAINWAVE INSIGHTS

Bildquelle: elenabsl/Shutterstock.com

Die ersten KHZG-Anträge wurden bewilligt. Geht es nun los mit der Digitalisierung für die Krankenhäuser?

Das Krankenhauszukunftsgesetz birgt viele Chancen, aber mindestens genauso viele Herausforderungen für die Krankenhäuser Deutschlands. Die Fördervorhaben und die festgelegten „Muss-Kriterien“ (um Pönalen zu entgehen) sind umfangreich: vom Aufbau von moderne Notfallkapazitäten, über den Aufbau einer digitalen Infrastruktur, bis hin zu IT-Sicherheitsprojekten. Nun wurden die ersten KHZG-Förderanträge bewilligt und die ersten Gelder werden ausgezahlt.

Ready - set - go? Wo stehen wir mit dem KHZG?

Seit Januar arbeiteten die deutschen Krankenhäuser nun mit Hochdruck an der Erstellung von Projektlisten, Prüfung von Angeboten und Kosten, sowie dem seitenlangen Befüllen von Förderanträgen. Die Krankenhausträger, welcheHäuser in verschiedenen Bundesländern unterhalten, waren dabei die großen Verlierer. Die Anträge und Einreichungsprozesse werden von den Ländern einzeln bestimmt und so gab es in jedem Land ein anderes Verfahren. Bis Ende des Jahres können Krankenhäuser ihre Anträge bei dem jeweiligen Land einreichen, jedoch hat das Land bis zu dreiMonate Zeit diese Anträge zu bearbeiten und der Stapel dürfte hoch sein. Damit ist die inoffizielle Einreichungsfrist Ende September abgelaufen, zumindest für eine gewährleistete Antwort. Die Krankenhäuser, welche bis jetzt keine KHZG-Strategie aufgesetzt haben, werden höchstwahrscheinlich leer ausgehen (was sicherlich auch so gewollt ist). Zwar wurden bereits 50 Anträge bewilligt – jedoch ist diese Anzahlbei über 1.900Krankenhäusern ein verschwindend kleiner Teil. Der aufwendige und ineffiziente Prozess der Förderanträge und auch die länderspezifischen Deadlines zur Einreichung führte dazu, dass selbst viele „Front Runner“ erst in den Sommermonaten ihre Anträge finalisieren konnten.

Auch konnten wir am Markt beobachten, dass die zugesagten Budgets längst nicht ausreichen um alle Fördertatbestände anzugehen. Allein die pönalisierten Fördertatbestände mit allen Muss-Kriterien bis 2025 zu erfüllen, frisst die Budgets der (vor allem kleineren Krankenhäuser) komplett auf. Wer also auf intelligenten Algorithmen oder eine durchgängigen digitalen User Journey hofft - wird enttäuscht werden.

Nun stellt sich die Frage: Was machen die Krankenhäuser nun mit Geld (was bei den meisten Antragstellern im ersten Halbjahr 2022 auf dem Konto sein sollte) und schaffen sie es die großen IT- und Digitalisierungsdefizite damit aufzuholen? Wir sehen das kritisch. Der notwendige Sprung ist einfach zu weit und die Budgets dafür dann doch zu wenig. Auch muss kritisch beobachtet werden, ob die wenigen Anbieter am Markt überhaupt den "Ansturm" der Krankenhäuser decken kann und die Frist der Umsetzung bis 2025

Fazit

Einerseits hat die KHZG-Förderrichtlinie dazu geführt, dass die deutschen Krankenhäuser nun alle an exakt den gleichen Themen arbeiten und in den meisten Fällen mit denselben Anbietern, was die Kollaboration und den Austausch zwischen den Trägern erhöht hat.

Andererseits ist der Froschsprung der nötig ist, um die Anforderungen bis 2025 zu erfüllen, für viele Krankenhäuser, mit den Mitteln die sie durch das KHZG bekommen, nicht machbar. Und trotzdem kommt Geld in die Kasse für IT-Projekte und darüber sind wir trotz allem sehr froh! Selbst wenn nur die pönalisierten Tatbestände in Angriff genommen werden, ist dies eine Chance für die Krankenhäuser sich fit für die Zukunft zu machen.

Eure Luisa Wasilewski
Digital Health Expert @Brainwave

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