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Goodbye Amazon Care?

September 1, 2022

BRAINWAVE INSIGHTS

Bildquelle: Amazon Care

Ist Amazon Care gescheitert?

Es war ganz schön was los in den letzten Wochen bei Amazon! Erst Anfang August verkündete Amazon die Akquisition (über $ 3,9 Mrd.) vom Healthcare Unicorn One Medical und die Vermutung lag nahe, dass One Medical vielleicht bald Amazon Care heißen wird. Jetzt überrascht der Tech-Gigant mit der Ankündigung, dass Amazon Care zum Ende des Jahres eingestellt wird. Wir haben uns die Hintergründe und Details zu diesem Move einmal genauer angesehen:

Was ist Amazon Care?

Die Tele-Health-Gesundheitsplattform Amazon Care wurde im Jahr 2019 eingeführt und richtete ihre Services zunächst an Amazon-Mitarbeiter:innen. Innerhalb des vergangenen Jahres wurde Amazon Care für die US-amerikanische Bevölkerung im ganzen Land ausgerollt. Das Service-Angebot umfasste sowohl telemedizinische Services, wie Chats und Videogespräche, als auch häusliche (Vor-Ort) Gesundheitsleistungen durch eigene Care-Teams. Die persönlichen Dienste sollten in 2022 in mehr als 20 neuen US-Städten eingeführt werden. Die Ergänzung durch die ambulanten Zentren von One Medical schien hier eine exzellente Ergänzung.

Warum wird Amazon Care eingestellt?

Vor einer Woche kündigte Neil Lindsay, der Senior Vice President der Amazon Health Services, in einer Email an, dass Amazon Care zu Ende Dezember 2022 eingestellt wird. Grund sei, dass Amazon Care langfristig keine passende Lösung für die Firmenkunden wäre. Das Angebot sei nicht umfassend genug, für die Bedürfnisse der großen Unternehmenskunden, auf die Amazon abzielt. Auf der Website wird aktuell kommuniziert, dass ab Ende September begonnen wird die Dienste einzustellen. Außerdem werden Fragen um den Verbleib der Gesundheitsdaten der Nutzer:innen geklärt.

Fazit: Was steckt dahinter?

Nachdem das Joint Venture "Haven" von Amazon, Berkshire Hathaway und JPMorgan scheiterte, findet jetzt der zweite "Moonshot" des Tech-Giganten ein vermeintliches Ende. Gibt Amazon damit den Versuch auf, in der Primärversorgung Fuß zu fassen? Wohl kaum! Eine Moonshot-Vision erreicht man in den seltensten Fällen mit dem ersten Versuch.

Der Technologieriese hat nicht nur One Medical mit einer starken Präsenz von Arztpraxen gekauft, sondern ist Medienberichten zufolge auch unter den Bietern für den Kauf von Signify Health, einem etablierten Startup für häusliche Gesundheitsleistungen. Unsere These: In der Vergangenheit hat Amazon eher eigene Produkte und Services aufgebaut oder externe Unternehmen (z.B: PillPack) ins eigene Ökosystem integriert. Diesmal scheint der profitablere Weg das Gegenteil zu sein. Wir erwarten, dass Learnings und eventuell Ressouren von Amazon Care in One Medical wandern. Amazon scheint sich also aktuell bei der "Buy-or-Build"-Frage für den Kauf etablierter Player zu entschieden. Diese strategischen Kaufentscheidungen verdeutlichen die Entschlossenheit, mit der Amazon versucht eine zentrale Rolle im Gesundheitswesen zu spielen.

REGULARIEN

KBV will das Teilen von Daten mit DiGA-Herstellern verhindern

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eRezept Rollout ohne Schleswig-Holstein

Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) steigt aus der Einführung des digitalen Rezeptes aus. Gründe seien der derzeit nicht umsetzbare Nutzen für Praxen und Patient:innen sowie Bedenken bezüglich des Datenschutzes. Mehr

eRezept mit eGK einlösbar

Die gematik-Gesellschafter beschließen eine weitere sichere Option eRezepte einzulösen: Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) soll bald als dritte Möglichkeit fungieren, Arzneimittel über einen elektronischen Weg zu erlangen. Anfang September können wir mit einer entsprechenden Spezifikation rechnen. Mehr

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Um den Rollout des eRezeptes zu beschleunigen, plant Gesundheitsminister Karl Lauterbach die Übermittlung der digitalen Rezept-Codes auch per E-Mail und SMS zu ermöglichen. Mehr

Technische Schwierigkeiten bei eAU und eRezept

Eine Online-Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unter 4.000 Arztpraxen zeigt, dass mit der digitalen Ausstellung und Versendung ein höherer Zeit- und Arbeitsaufwand einhergeht. Zudem bereitet die Erreichbarkeit von IT-Dienstleistern und Anbietern Probleme und auch auf Patientenseite gibt es Hürden hinsichtlich der Akzeptanz. Mehr

PICK OF THE WEEK

Bildquelle: Kai Hankeln / LinkedIn

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Gemeinsam sprechen die beiden Expert:innen über das Schneckentempo deutscher Digitalisierungsvorhaben im Gesundheitswesen.

Außerdem beleuchten sie die Prozesse des Gesundheitssystems noch einmal genau und resümieren, dass eine Reform einfach nicht möglich scheint.

Hier kommt ihr zur aktuellen Folge. Reinhören lohnt sich, viel Spaß dabei!

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