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Ein Meilenstein für das eRezept

April 21, 2022

BRAINWAVE INSIGHTS

Bildquelle: iStock/elenabs

Ein Meilenstein für das eRezept

Das TI-Dashboard der gematik zeigte mit dem gestrigen Tag erstmalig über 10.000 eingelöste elektronische Rezepte (eRezepte) an und die gematik verkündete, dass damit ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg in die flächendeckende Versorgung erreicht wurde. Wenn man bedenkt, dass es Anfang Februar gerade einmal etwas mehr als 600 und Anfang März knapp 2.900 eingelöste eRezepte waren (s. Abbildung), dann ist das tatsächlich eine deutliche Steigerung. Allerdings läuft die Einführung des eRezepts schon seit einer Weile nicht ganz nach Plan.

Anzahl eingelöster eRezepte im zeitlichen Verlauf

Bildquelle: gematik

         

Von Testphasen und Fristverschiebungen

In unserem Digital Health Halbjahresreport 2021 waren wir noch optimistisch und sind davon ausgegangen, dass mit dem Start der Testphase in der Fokusregion Berlin-Brandenburg im Juni 2021 die Frist zur gesetzlich verpflichtenden Einführung des eRezepts eingehalten werden kann. Diese Testphase startete zunächst mit einer einzigen Apotheke und einer Arztpraxis. Erste "echte" Rezept-Abrechnungen wurden im August 2021 erwartet. Diese Frist kam näher und Ende September wurde die Testphase aufgrund fehlender Softwareupdates und fehlender elektronischer NFC-fähiger Gesundheitskarten mit PIN noch einmal bis Ende November 2021 verlängert. Offiziell wurde hier noch von einer planmäßigen Einführung in 2022 ausgegangen. Anschließend wurde die Testphase im Dezember bundesweit geöffnet, die verpflichtende Einführung zum 01. Januar 2022 vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) abgesagt und kurz darauf auf unbestimmte Zeit verschoben.

Fehlende Updates und Projektleitungen

Die über 10.000 eingelösten eRezepte sieht die gematik aktuell als Zeichen dafür, dass "Praxen und Apotheken im Umgang und Prozedere zunehmend routinierter werden". Zwischen 5 und 10 Prozent wurden dabei schätzungsweise von Versandapotheken eingelöst. Bisher musste außerdem keines der eingelösten Rezepte retaxiert werden. Auf technischer Seite fehlen laut gematik noch eRezept-Updates von vielen Softwareherstellern, damit Apotheken eRezept-ready werden und Ärzt:innen sich mit dem Umgang vertraut machen können. Susanne Koch, Referentin für E-Health und Verbandsstrategie beim Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) sieht neben dem straffen Zeitplan auch das Zusammenspiel der verschiedenen Softwaresysteme als Grund für die Verzögerungen. Der bvitg fordert die Etablierung einer Projektleitung durch die gematik, für eine transparente und nachvollziehbare Kommunikation.

Die nächsten Meilensteine des eRezepts

In der kommenden Zeit liegt der Fokus der gematik auf der Evaluierung der Nutzererlebnisse. Die nächsten Meilensteine sind 30.000 eingelöste eRezepte und eine "hohe Durchdringung der Software". Sobald diese Ziele erreicht sind, will die gematik zusammen ihren Gesellschaftern das weitere Vorgehen der flächendeckenden Einführung abstimmen. Bei der Geschwindigkeit der letzten zwei Monate wären die 30.000 eingelösten Rezepte frühestens im August erreicht.

Fazit

Mit den 10.000 eingelösten Rezepten ist sicherlich ein Meilenstein für das eRezept erreicht. Ist dadurch auch eine reibungslose und schnelle Einführung gesichert? Das wagen wir zu bezweifeln. Mit den Problemen der bisherigen Einführung wurde das Vertrauen von Ärzt:innen, Apotheker:innen und Kassen in das eRezept stark in Mitleidenschaft gezogen. Für den weiteren Verlauf braucht es aus unserer Sicht eine offene und transparente Kommunikation, mit Fristen und Versprechungen, welche eingehalten werden können. TI-Dashboard und TI-Score sind hier richtige erste Signale. Das eRezept birgt großes Potenzial den intersektoralen Austausch im Gesundheitswesen durch digitale Transformation zu fördern. Dies kann nur geschehen, wenn alle Akteure einen Nutzen sehen und gemeinsam an der Etablierung arbeiten.

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NEUE DIGA

Bildquelle: vitad

Im Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wurde eine weitere digitale Gesundheitsanwendunng (DiGA) gelistet. Die App "Vitadio" unterstützt die Diabeteskontrolle von Diabetes Typ 2 Patient:innen, indem es durch einen multimodalen Therapieansatz die Veränderung des Lebensstils und die Optimierung des Selbstmanagements unterstützt. Die DiGA ist nun vorläufig im Verzeichnis des BfArM gelistet und bietet eine innovative digitale Therapieoption.

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